Kinderzentrum am Johannisplatz  ·  Am Johannisplatz 1  ·  04103  Leipzig  ·  Anfahrt

Schilddrüsenstörungen

Häufigste endokrinologische Störung im Kindes- und Jugendalter

Die körperliche, geistige sowie seelische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wird wesentlich von der Schilddrüse beeinflusst. Sie bildet die hierfür notwendigen Hormone und gibt diese in den Blutkreislauf ab. Schilddrüsenhormone sind wichtig für die Differenzierung der Zellen im Gehirn und haben wesentlichen Einfluss auf den Energiestoffwechsel und die Herzfunktion. Erkrankungen der Schilddrüse sind heute die häufigsten endokrinologischen Störungen im Kindes- und Jugendalter.

Ursachen

Unter- und Überfunktion können angeboren sein oder entwickeln sich erst im Laufe des Lebens. Bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) werden wichtige Hormone in zu geringen Mengen gebildet. Daraufhin verlangsamt sich der Stoffwechsel. Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nimmt ab. Jodmangel als ein Grund für die Unterfunktion ist in den letzten Jahren seltener geworden, da sich die Versorgung über die Nahrung verbessert hat. Bei einer Überfunktion (Hyperthyreose) sind Autoimmunerkrankungen (u.a. Morbus Basedow) und unabhängige „autonome“ Zellen (sog. Autonomie) häufig Grund für eine Erkrankung. Diese Zellen reagieren nicht mehr auf entsprechende Steuerungsmechanismen und schütten verstärkt Hormone aus.

Symptome und frühzeitige Erkennung

Bei Kindern und Jugendlichen zeigen sich Erkrankungen der Schilddrüse auf vielfältige Weise. Charakteristische Beschwerden ändern sich je nach Alter. Mögliche Symptome für eine Unterfunktion sind bei Kindern u.a. Verstopfung, Blässe, verzögerte Sprachentwicklung, Anfälligkeit für Infekte oder auch verzögertes Wachstum und verspätete Zahnbildung. Jugendliche zeigen indes vermehrt Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, haben eine heisere Stimme oder Ödeme um die Augen. Trockene Haut, schlaffe Muskulatur oder auch Gemütszustände, die einer Depression oder Angstzuständen ähnlich sind, können weitere Indizien sein.

Eine Überfunktion der Schilddrüse äußert sich bei Kindern häufig in Wutanfällen, einer verfrühten Zahnentwicklung, Wachstumsstörungen, Durchfall oder einer warmen, feuchten Haut. Auch Hyperaktivität kann ihre Ursache in einer Überfunktion der Schilddrüse haben. Jugendliche leiden häufig unter Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, schwitzen stark oder haben Schmerzen in Wachstumsphasen. Auch starker Gewichtsverlust kann auf eine Überfunktion der Schilddrüse hinweisen – fälschlicherweise kann anfänglich der Verdacht auf Anorexie (Magersucht) naheliegen.

Vorsorge und Kontrolle

Zur Früherkennung einer schweren angeborenen Unterfunktion führen Ärzte in Deutschland das Neugeborenen-Screening durch. Dabei entnehmen sie dem Säugling in den ersten Lebenstagen wenige Tropfen Blut. Bei Kindern und Jugendlichen werden die Schilddrüsenwerte zusätzlich im Alter von zwölf und 14 Jahren innerhalb der J1-Untersuchung ermittelt. Sind nach einer Blut- und Ultraschall-Untersuchung auffällige Strukturen zu erkennen, kann der Kinder- und Jugendarzt, insbesondere bei älteren Kindern, mit Hilfe einer Szintigrafie (bildgebendes Verfahren) das Gewebe weiter untersuchen oder mit einer Feinnadelbiopsie Zellen aus der Schilddrüse prüfen.

Beim ersten Verdacht auf eine Störung der Schilddrüsenfunktion sollten Sie in jedem Fall einen Termin bei Ihrem Kinder- und Jugendarzt vereinbaren. Eine sorgfältige Diagnostik ist ratsam. Nur ein Facharzt kann die Schilddrüse genau untersuchen, das Organ beurteilen und Entzündungen, Knoten, Zysten oder Kalkablagerungen ausschließen. Falls nötig kann eine Therapie mit entsprechenden Medikamenten oder eine Radio-Jod-Therapie den Hormonhaushalt wieder ausgleichen und die Funktion der Schilddrüse regulieren. Ein operativer Eingriff wird nur bei komplizierten Krankheitsverläufen vorgenommen.